Autor Thema: Touristeninformation Amsterdam?  (Gelesen 445 mal)

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Touristeninformation Amsterdam?
« am: November 18, 2003, 00:25:36 Vormittag »
10. Oktober 2003, 02:26, Neue Zürcher Zeitung


Für ein paar Dosen Bier mit dem Leben bezahlt


Frau in Amsterdam wegen Ladendiebstahls zu Tode geprügelt

vau. Amsterdam, 9. Oktober
Die Bewohner Amsterdams sind für ihr unfreundliches und gelegentlich
rüpelhaftes Auftreten bekannt. Laut einem Bericht des niederländischen
Fernsehens sind unter den Weltstädten die Bewohner Rio de Janeiros die
freundlichsten, die Amsterdamer mit Abstand die unfreundlichsten. Touristen
beklagen sich regelmässig über den äusserst schlechten Service in den
Geschäften, Restaurants und Hotels. Die Einheimischen haben sich freilich
längst daran gewöhnt, dass Dienstleistung nicht gerade gross geschrieben
wird. Die frühere amerikanische Botschafterin in Den Haag hat einmal
erklärt, sie habe sich in den Niederlanden wie in der ehemaligen
Sowjetunion gefühlt. Den meisten Taxifahrern in der Hauptstadt ist der
Glanz ihrer Limousinen und ihrer Ledersitze wichtiger als die Zufriedenheit
ihrer Kunden, und Ortsunkundige werden bei der Taxifahrt vom Flughafen ins
Zentrum regelmässig über den Tisch gezogen.

Schuld des Opfers nicht erwiesen

Dass allerdings eine mutmassliche Ladendiebin ein paar Dosen Bier und einen
Sack Hundefutter gleich mit dem Leben bezahlen musste, geht nun
offensichtlich auch den nüchternen Amsterdamern eine Spur zu weit. Eine
43-jährige Frau, die als Alkoholikerin und als Drogenkonsumentin bekannt
war, ist dieser Tage ihren Verletzungen erlegen, nachdem sie von
Angestellten einer grossen Supermarktkette schwer misshandelt worden war.
Derzeit steht übrigens noch nicht fest, ob die Frau tatsächlich Ware
entwendet hatte. Tatsache ist indes, dass Ladenangestellte die Frau nach
dem Verlassen des Supermarktes verfolgt und auf dem nahegelegenen
Heineken-Plein mit zahlreichen Schlägen gegen den Kopf schwer verletzt
hatten. Nach Polizeiangaben waren diese Hiebe die Ursache für den Tod der
Frau.
Vier Angestellte des Supermarktes im Alter von 17 bis 19 Jahren wurden
inzwischen verhaftet. Die Polizei schliesst weitere Festnahmen nicht aus,
da laut Zeugenaussagen an der Konfrontation auch Personen beteiligt gewesen
waren, die nicht zum Personal gehörten. Der sozialdemokratische
Bürgermeister Job Cohen gab inzwischen seiner Abscheu Ausdruck. Es sei
feige, wenn Männer Frauen bedrohten und mit Schlägen misshandelten. In
Anspielung auf die Herkunft der mutmasslichen Täter erklärte er, die
hiesige Norm sei, dass man versuche, Auseinandersetzungen ohne Gewalt zu
lösen; bei den Festgenommenen handelt es sich um Niederländer
marokkanischer Abstammung.

Bürger dürfen Verdächtige verfolgen

Die Aussage des Stadtvaters gilt es insofern zu relativieren, als es in der
Vergangenheit bereits mehrmals zu vergleichbaren Zwischenfällen unter
Einheimischen gekommen war. Allerdings hatten diese nicht so tragisch
geendet wie der jüngste Fall. Vor knapp einem Jahr hatten zwei Mitarbeiter
einer anderen Supermarktkette einen Ladendieb verfolgt und gestellt und mit
Fäusten auf die Nase geschlagen. Die beiden wurden darauf wegen exzessiver
Gewaltanwendung angeklagt, was in der Öffentlichkeit mit Kopfschütteln
registriert wurde. Der Vater von Königin Beatrix, Prinz Bernhard, erklärte
sich darauf bereit, die Geldbussen der beiden Männer aus seiner eigenen
Tasche zu bezahlen. Gemäss Strafgesetzbuch darf jeder Bürger einen
Verdächtigen verfolgen und stellen. Dabei darf auch Gewalt angewandt
werden, solange sie nicht überproportional ist. Beispielsweise darf der
mutmassliche Dieb festgehalten oder auf den Boden gedrückt werden. Schläge
sind allerdings nicht zugelassen.